Jugendmusikfest Sachsen-Anhalt

10.09.-30.09.2021

Teilnehmer 2021

Alan Coates wurde am 13. Februar 2003 in Darmstadt geboren. Hier findet auch sein gesamter privater Musikunterricht statt.

Neben der Musik und dem Theater interessiert er sich sehr für die Naturwissenschaften und absolvierte bereits mehrere Praktika im naturwissenschaftlichen Bereich, bevor die Entscheidung fiel, dass Musik beziehungsweise Kultur Teil seines späteren Alltags sein soll.

Angefangen hat er in der Grundschule zunächst mit der Blockflöte und dann in einer Grundschul-AG mit der Geige. Da die Geige eine größere Vielfalt, sowohl an Ensembles als auch an Möglichkeiten bot, gab er die Blockflöte im Laufe der Zeit auf. Zunächst spielte er in einem weiteren Ensemble, bis er im Musikschulorchester der Akademie für Tonkunst mitwirkte. Etwa ein Jahr später, Mitte/Ende 2018 begann er mit dem Komponieren und besuchte zum ersten Mal den Musiktheoriekurs an der Akademie, in dem er im November 2019 die ABRSM (Associated Board of the Royal Schools of Music) Level 5 Prüfung absolvierte. Kurz davor begann er Bratsche zu spielen, da im Orchester ein Bratschenmangel herrschte. Seit März letzten Jahres ist die Bratsche sein Hauptinstrument.

Das Komponieren tröpfelte währenddessen mehr oder weniger ohne großen Input dahin. Vorrangig las er Partituren, um Ideen zu bekommen. Der wohl größte Zugewinn an Erfahrung in dieser Zeit war ein Besuch der Generalprobe von Fidelio am Staatstheater in Darmstadt mit der Kompositions- und Musiktheorieklasse, bei der der Schlusschor durch Neukompositionen von Frau Schlünz aufgebrochen wurde, sowie das Nachgespräch mit ihr und dem Dirigenten.

Nachdem er anfing für den Wettbewerb Jugend komponiert zu schreiben, nahm er seit Anfang März 2020 Kompositionsunterricht.

 „Kreisel“ ist ein etwa sechseinhalb minütiges Orchesterstück, das versucht das Bild eines sich bewegenden Kreisels nachzuzeichnen.

Dieser Kreisel wird durch vier Instrumente dargestellt, ein Englischhorn und drei Hörner, die das komplette Stück über auf einige wenige Themen zurückgreifen. Diese werden zu Beginn nacheinander vorgestellt, und dann auf verschiedene Weisen variiert. So wechselt im Englischhorn immer wieder die Taktart, so dass andere Betonungen entstehen, die vier Motive in der Notation rhythmisch aber immer gleichbleiben.

Anders ist dies bei den Hörnern, diese bleiben konsequent im Vier-Viertel-Takt, variieren dafür aber den Rhythmus ihrer jeweils drei Motive stark. Der Zusammenhang dieser vier Stimmen wird zum einem über die Dynamik deutlich gemacht, die im Mittelteil identisch ist, zum anderen aber über das Tempo. Diese vier Stimmen beginnen mit einem höheren Tempo als der Rest, um anschließend in einem ritardando diesen Vorsprung auszugleichen. Dies soll das Tempo der Drehbewegung des Kreisels verdeutlichen, daher wird es mehrfach wiederholt. In der Mitte artet es quasi zu einem vollkommenem rubato aus, da hier die Tempoaufnahme mehrfach innerhalb weniger Takte erfolgt. Dieser „Anstoß“ wird mittels des Beckens dargestellt.

Die räumliche Bewegung wird einerseits über die bereits oben angesprochene Dynamik, andererseits aber über die Begleitung versucht zu zeigen. Diese wandert von den Blechbläsern über die Streicher zu den Holzbläsern und wieder zurück, wobei jede Gruppe versucht einen anderen Bereich einer Umgebung darzustellen. Der Kontrast der Umgebung zum Kreisel entsteht vor allem durch zwei große Unterschiede. Zum einen ist die „Umgebung“ sehr homophon gestaltet, zum Hauptmotiv kommt eine andere ergänzende (Instrumenten)gruppe, grundiert von der dritten Grupp, die mit Haltetönen oder Tremolo arbeitet. Der zweite Unterschied liegt in der Art der tonalen Ausgestaltung. Während der „Kreisel“ atonal gestaltet ist, begnügt sich die Begleitung mit Polytonalität, die sich allerdings teils auch an der Grenze zum Atonalen befindet. Am deutlichsten wird dies wohl beim Streichermotiv, dieses bewegt sich konsequent zwischen (e-)Moll und (E-)Dur. Doch selbst das Blechbläsermotiv, das stark zum Atonalen hintendiert, wird durch die Verwendung von klassischen Akkorden, an wichtigen Stellen, in einen tonalen Rahmen gefasst.

Im Schlussteil werden die Themen des Englischhorns und der Hörner unverändert, im Gegensatz zum Anfang allerdings nicht nacheinander, sondern gleichzeitig wiedergegeben. Dann folgt das markanteste Motiv (beim Englischhorn, aufgrund kürzerer Motive, die zwei markantesten), um in einem Halteton zu enden. Der Rest des Orchesters spielt während dessen den ersten Teil der Einleitung im Krebs. Eingefasst wird das gesamte Stück von einem Gong und Tam-Tam Crescendo zu Beginn und einem Decrescendo am Ende.

Sowohl die Akkordstruktur und das Perkussions-Crescendo am Anfang als auch der Krebs und das Decrescendo am Ende versuchen, nebst der Spiegelung im Mittelteil, das Stück zum Anfang zur Mitte und wieder zurück zurück zu führen, also quasi wieder einen Kreis(el) darzustellen.

  

Philipp Gaspari kommt aus Graz, Österreich und wurde am 24.11.2001 geboren. Im letzten Jahr hat er erfolgreich maturiert. Augenblicklich ist er Zivildienstleistender und strebt danach ein Kompositionsstudium an. Klavier spielt er seit etwas mehr als 6 Jahren. Derzeit besucht Philipp ich im vierten Jahr das Johann Joseph Fux Konservatorium in diesem Fach. Seit viereinhalb Jahren komponiert er regelmäßig und nimmt seit November 2016 am Universitätslehrgang „Komposition für Kinder und Jugendliche“ bei Prof. Helmut Schmidinger an der Kunstuniversität in Graz teil. Im Rahmen dieses Lehrganges wurden in den letzten Jahren schon einige seiner Stücke uraufgeführt. Werke von Philipp wurden im Rahmen des internationalen Musikfestes Arsonore, der Styriarte, der Kompositionswerkstatt des Mozarteums in Salzburg und der des Arnold Schonberg Centers in Wien, sowie des Kompositionswettbewerbes Jugend komponiert (ÖKB) uraufgeführt. In den letzten 2 Jahren nahm Philipp bereits an der Orchesterwerkstatt in Halberstadt teil und erhielt jeweils den Preis der Deutschen Orchester-Stiftung. Zusätzlich gewann er den ersten Jugendpreis des Balduin Sulzer Kompositionswettbewerbs und den ersten Preis bei Jugend komponiert.

T Szenen verschiedenster

Die Form meines Werkes könnte man als ein “dynamisches Rondo“ beschreiben. Zwei leise Teile werden von drei lauten Teilen umgeben. In der Länge überwiegen allerdings die leisen Teile. Vor allem in diesen gibt es viele Stimmungswechsel (Szenen), was zum jetzigen Untertitel des Stücks „Szenen verschiedenster …“ führt (natürlich stellt jeder laute Teil auch eine eigene Szene dar).

Der jetzige Titel „T“ stammt vom Wort „Titel“, welches vorher in der richtigen Formatierung dort gestanden ist. Damit die Formatierung nicht verloren geht, habe ich nur das „T“ stehengelassen. Als ich die Frage bekommen habe, ob das „T“ schon der Titel sei, habe ich mich dazu entschieden es als Titel zu nehmen und „Szenen verschiedenster …“ als Untertitel anzuführen.

 

 Felix Gerstner wurde am 11.11.2006 in Bad Soden am Taunus geboren. Im Alter von vier Jahren begann er mit dem Klavierspiel, mit sechs Jahren begannen die ersten Kompositionsversuche. Im Alter von neun Jahren erlernte er als zweites Instrument Geige. 2017 nahm er (erfolglos) am Bundeswettbewerb Jugend komponiert teil, woraufhin Prof. Gerhard Müller-Hornbach auf ihn aufmerksam wurde und ihn seit Mitte 2017 unterrichtete. Daraufhin nahm er bei mehreren Wettbewerben sowie Workshops teil und erhielt mehrere Preise. 2019 wurde sein Werk „Free from Fear!“ im Rahmen des Wettbewerbs „Sound of Children’s Rights“ für Kinderrechte in Wien uraufgeführt. 2020 erhielt er vom Collegium Musicum Mannheim den Auftrag für ein Orchesterwerk, woraufhin der Werkzyklus „Seidenstraße“ entstand. Felix Gerstner lebt momentan in Hattersheim am Main.

 Skizzen für Kammerorchester

Nach etlichen Besuchen bei Workshops, wo sich junge Komponisten und Komponistinnen treffen, habe ich festgestellt, dass ein neues „Kompositions-Schema“ vorherrscht: Langsame, mysteriöse Einleitung – marschartiges, harsches Allegro – Höhepunkt – Zurücksinken. Was mich auch stört, ist diese massige, „fettige“ Orchestration. Außerdem scheint sich die Musik nicht „weiterzuentwickeln“: jedes Mal nur harsche, freie Dissonanzen im Marschrhythmus, etwas allzu sehr an einen gewissen Schöpfer des Sacre erinnernd.

Ich hatte genug von dieser Art von Kompositionen und will nun mit den „Skizzen“ einen neuen Weg betreten. Das „aktuelle“ Kompositionsschema ist komplett abgeschafft. Mag der erste Satz, „Präludium“, doch ein wenig an eine „mysteriöse Einleitung“ erinnern, so folgt doch kein Marsch, sondern eine „Groteske“, mit additiven Rhythmen und vielen Taktwechseln spielend. Zunächst wie ein Rondo anmutend, zerfällt der thematische Gedanke immer weiter in seine Einzelteile, bis er sich komplett auflöst. Die Melodik und Harmonik ist in diesem Satz absichtlich „schräg“ gewählt. Der folgende Satz Nr. 2,5 „Intermezzo“, ist eigentlich kein eigenständiger Satz, sondern eine Art Überleitung zwischen dem 2. und 3. Satz. Im dritten und letzten Satz, „Adagio“, mische ich traditionelle chinesische Musik mit den klangflächenartigen Strukturen des Präludiums.

Als musikalische Mittel habe ich fast alles vermieden, was sonst so in den zeitgenössischen Kompositionen junger Komponisten rumgeistert. Statt großem Orchester besetze ich jedes Instrument genau einmal, um einen feineren Klang zu erreichen. Die ziellose Chromatik der „mysteriösen“ Momente dieser Kompositionen ist durch durchdachte Klangflächenkomposition ersetzt, additive Rhythmen ersetzen den barbarischen Marsch à la Sacre, und im ersten Satz findet auch komplizierte Polyrhythmik ihren Platz. Die dissonanten Melodien des zweiten und zweikommafünften Satzes sind nicht willkürlich gewählt, sondern sind Entfremdungen „normaler“, d.h. konsonanter Melodik und Harmonik, und an traditionelle chinesische Musik angelehnt, habe ich im dritten Satz Vierteltöne eingebracht.

 

Vincent Hagemann ist 16 Jahre alt und besucht in Wiesbaden das Gymnasium Oranienschule sowie die Wiesbadener Musik- und Kunstschule. Neben den Instrumentalfächern Klavier und Waldhorn nahm er ein Jahr lang an dem studienvorbereitenden Kurs (SVA) mit Schwerpunkt klassische Harmonielehre teil. Hierdurch angeregt beschäftigte er sich mit weitergehender Literatur zu Musiktheorie und Orchestration. Seine große Leidenschaft bezüglich der Musik gilt dem französischen Impressionismus, der für ihn die Öffnung zur Moderne verkörpert. Vincent beeindrucken daran die neuen Klangfarben, die durch Einflüsse fremder Kulturen und gefördert durch den revolutionären Geist der Zeit zu einem Umbruch führten.

Parallel zur Musik pflegt er ein Interesse für die Natur, insbesondere die Ornithologie, welche er mit Vorliebe fotographisch festhält. Aus der Beschäftigung mit der Natur schöpft er auch Ideen und Inspiration für seine Kompositionen.

 Orchesterstück Herbstimpressionen

Bewegtheit und Farbigkeit des Herbstes inspirierten meine Orchesterkomposition „Herbstimpressionen“. Für eine prägnante Darstellung habe ich das Werk szenisch ausgearbeitet und mich auf wesentliche Elemente des Herbstes beschränkt. Die gesamte Perspektive ist die desjenigen, der auf eine Herbstwanderung aufbricht und die breite Vielfalt dieser Jahreszeit wahrnimmt.

Die erste Szene thematisiert den Wind. Dem Wanderer bläst ein frischer Wind aus dem Norden entgegen, der sich anfangs noch zart (symbolisiert durch ein ruhiges Fagottmotiv), später aber immer stärker aufzubäumen versucht. Leichte Windwirbel unterbrechen den stetigen Windstrom, was durch sanfte Triller der Streicher dargestellt wird.

Der Wanderer betritt nun einen windstillen Wald. Dort trifft er auf Nebelschwaden, die durch die Bäume streifen. Die Nebelschleier scheinen etwas zu verbergen, das ich nicht vollkommen durchdringen kann. Aus dieser Empfindung heraus habe ich meine Musik entwickelt. Jedes musikalische Thema wird angebrochen, jedoch nicht vollendet oder aufgelöst. Die Stille des Waldes wirkt wie eine Lupe auf die Bewegungen im Unterholz. Jedes Rascheln, jeder Laut lässt aufhorchen. Die Passage endet, als der Wanderer sich dem Rand des Waldes nähert. Die Nebelschwaden lösen sich langsam auf und verlieren sich in ruhigem Rauschen der Streicher und Pauken.

In der nächsten Szene wird der Austritt aus dem Wald dargestellt. Die Nebelschwaden verfliegen langsam und das warme Licht der Sonne mit seinen warmen Farben verleiht der Welt nun wieder ihre wohlbekannten, klaren Formen. Die Hörner stellen das Licht dar, welches wie ein Crescendo anschwillt. Nachdem sich nun viele Instrumente vereint haben, laufen sie alle in einem Punkt zusammen und der Blick in die weite Landschaft wird frei. Die vielen Farben und Bewegungen, wie das Aufwirbeln und Flimmern der Blätter, sind eingebettet in klare Formen. Zum Schluss dieser Passage bahnt sich eine unruhige Atmosphäre an, die schon das nächste Herbstelement erahnen lässt.

Die letzte Szene besteht aus einem kräftigen und wechselhaften Herbststurm. Erst setzt heftiger Regen ein, welcher durch die Streicher symbolisiert wird. Blechbläser sowie Schlagwerk symbolisieren die Kraft des Gewitters mit Blitz und Donner. Plötzlich flaut der Sturm ab und der Regen lässt nach. Es bleibt ein leichtes Widerhallen des Gewitters. Zum Schluss bäumen sich wieder blechschwere Wolken auf und der Sturm gewinnt erneut an Kraft. Das Stück kommt in einem drängenden Tutti des Orchesters zum Stillstand und verhallt in seinem eigenen Echo…

 

Marlene Jacobs wurde 1998 in Münster/Westfalen geboren, wuchs aber in Hanau auf, wo sie 2016 Abitur machte. Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt sie Klavier, größtenteils Klassik. Sie nahm an mehreren Klavierwettbewerben teil, u.a. bei „Jugend musiziert“, dem Büdinger Klavierwettbewerb und dem Willy-Bissing Wettbewerb.

Später nahm sie Unterricht in Jazz-Klavier genommen. Parallel hierzu fing sie an zu komponieren. Bei diesen, vorwiegend Klavier-Kompositionen, wurde sie von ihrem Jazz-Klavierlehrer unterstützt.

Mit acht Jahren fing Marlene an Geige zu spielen. Während ihrer Schulzeit war sie Mitglied des Sinfonieorchesters der Karl-Rehbein-Schule Hanau, wo sie erste Geige und, wenn die Stücke es erlaubten, auch Klavier spielte. Seit ihrem 14. Lebensjahr nahm sie Gesangsunterricht, ebenfalls mit dem Schwerpunkt Jazz.

Von 2016 bis 2020 studierte Marlene Jacobs an der Hochschule Darmstadt „Sound and Music Production“, abgeschlossen mit einem Bachelor. Im Rahmen dieses Studiums hat sie u.a. Orchestermischungen, Radiofeatures und Film- und Videospielvertonungen produziert. Für ihre Abschlussarbeit vertonte sie einen kompletten Kurzfilm, gestaltete das Sounddesign, komponierte die Musik und spielte diese ein. Weil der Fokus bei diesem Studium eher auf Tontechnik und Sounddesign lag, vermisste sie die rein musikalische Seite. Deswegen begann sie 2018 Kompositionsunterricht bei Claus Kühnl am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt zu nehmen, seit 2019 auch als Bachelorstudiengang. Hier komponierte sie u.a. Werke für Horn Solo, Saxophon und diverse Kompositionen für Klavier, die aufgeführt wurden.

„Die Angst vor der Unendlichkeit“

Eigentlich suggeriert das Wort Angst im ersten Moment meist nur Panik oder Ungewissheit. In Bezug auf meine Komposition ist jedoch vielmehr ein Zustand gemeint, der gleichzeitig Schauder und Nicht-Verstehen, aber auch Überwältigung, Anziehungskraft und Faszination mit einschließt.

Meine Komposition kann aufgrund der Art und Weise, wie ich beim Komponieren vorgegangen bin, in drei grobe Abschnitte eingeteilt werden.

Der erste Abschnitt (Takt 1–45) beginnt mit einem „Zentralakkord“ auf dem Grundton cis - „Zentralakkord“, weil dieser als Grundlage für viele andere harmonische Zusammenhänge im Verlauf meiner Komposition dient. Darauf folgt eine Melodie im Cello, die an diversen Stellen wieder aufgegriffen und variiert wird.

Den dritten Abschnitt meiner Komposition (Takt 127–172) sehe ich als „Reprise“ vom ersten Abschnitt. Das ganze Tonmaterial — melodisch sowie harmonisch — wird nochmals, jedoch stark variiert, eingesetzt. Im mittleren Abschnitt habe ich mit einer 21-Ton-Reihe gearbeitet, u.a. mit Hilfe eines spezifisch rhythmischen Augmentationsmusters. Vereinzelt tauchen Abspaltungen dieser Reihe auch in den anderen Abschnitten auf.

Das Stück klingt leise aus, indem die oben genannte Cellomelodie mehrmals in Verbindung mit verschiedenen Harmonien wiederholt wird, die aus dem ersten Abschnitt abgeleitet werden.

 

Anselm Hichert wurde am 27. September 2006 als drittes von vier Kindern in Erfurt (Thüringen) geboren und besucht die 8. Klasse der Waldorfschule Erfurt. Seit Schulbeginn erprobt er sich auf verschiedenen musisch-kreativen Gebieten – in der Schule, beim Instrumentenspiel, im Kinderchor, im Kinderstreichorchester, im Kinder- und Jugendtheater „Die Schotte“ und zeitweise in einem Ensemble mit Freunden. Mit acht Jahren begann er Geige zu lernen. Auch die Blechblasinstrumente hatten es ihm angetan und so nahm er zwei Jahre Posaunenunterricht. Im Rahmen des Schulunterrichts lernte er fünf Jahre Blockflöte.

Mit neun Jahren begann er erste Lieder zu komponieren. Noch im Grundschulalter entdeckte er das Musiktheater, besuchte teilweise alleine die Vorstellungen und war fasziniert vom Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente und den vielen kompositorischen Möglichkeiten der Orchestermusik. In seiner Freizeit hört er gerne klassische Musik und Filmmusik.

An der Waldorfschule haben die Schülerinnen und Schüler im 8. Schuljahr die Aufgabe, sich außerhalb des regulären Unterrichts einem Handwerk ihrer Wahl zu widmen und ein eigenes Werkstück zu erstellen. Dies war für Anselm ein willkommener Anlass seinen Wunsch, selbst ein Stück für Orchester zu schreiben, in die Tat umzusetzen.

So nimmt er seit einem Jahr Kompositionsunterricht bei dem Komponisten und Pianisten Romeo Wecks, der ihn auf die Orchesterwerkstatt Halberstadt aufmerksam machte.

 Herbstszenen „Halberstädter Fassung“

Die Idee, ein Herbststück zu schreiben, kam mir während der letzten Sommerferien, als ich auf einer schwedischen Insel einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachtete. Ich hatte damals schon einige Melodien für einzelne Instrumentenstimmen skizzenhaft im Kopf, die ich in den folgenden Monaten ausarbeitete.

In meinem Stück „Herbstszenen“ vereine ich verschiedene herbstliche Stimmungen und Bilder. Die verschiedenen Facetten des Herbstes werden hörbar. Das Stück beginnt mit einem bedrohlichen Schlagzeugsolo, das von einer Fanfare durchbrochen wird, welche den Anbruch des Herbstes ankündigt. Das darauffolgende erste, eher düstere Hauptthema, welches für den Abschied vom Sommer steht, wandert durch die verschiedenen Instrumentengruppen und spitzt sich dramatisch zu. Dies leitet eine bewegte Jagdszene ein. Darauf folgt das zweite Hauptthema des Stückes, zunächst melancholisch vom Fagott vorgetragen. Man ahnt ein Morgengrauen. Dieses Thema greift, nun den Herbstwind darstellend, immer mehr im ganzen Orchester Raum. Mit den Flöten verabschieden sich die Zugvögel gen Süden. Die Stimmung verfällt wieder in Schwere, von den Hörnern getragen. Ein Herbststurm setzt ein und lässt graue Nebelschwaden zurück, welche vom harmonischen Zusammenspiel der Streicher und der Röhrenglocken dargestellt werden. Ein zartes Oboenthema, welches sich nach und nach steigert, erzählt, wie sich Mensch und Natur gleichsam in ihre innere Welt zurückziehen. Anschließend lädt ein beschwingtes Thema zum Erntedankfest ein. Das zweite Hauptthema erklingt erneut und steigert sich zu einem immer heftiger werdenden Herbststurm, der mit lautem Getöse endet.

Mit dem Schlagwerk wollte ich dem Stück einen besonderen Charakter geben. Das Glockenspiel und vor allem die Röhrenglocken, verleihen dem Klang etwas Besonderes und Geheimnisvolles, das Schlagzeugsolo am Anfang hingegen etwas Kraftvolles und Düsteres.

Die „Halberstädter Fassung“ ist eine etwas abgewandelte Version, die ich auf acht Minuten gekürzt und der vorgegebenen Besetzung angepasst habe.

 

Mats Thiersch wurde 2003 in Köln geboren. Im Alter von sechs Jahren begann er Violine zu spielen, später folgte Unterricht am Klavier. Beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ konnte er in den Kategorien Solo (Violine) und Kammermusik zwei Preise erlangen. Er ist Mitglied des Jugendsinfonieorchesters Köln sowie des Landesjugendorchesters NRW und des Ensembles Zeitgenössische Musik der Rheinischen Musikschule Köln. Dort nimmt er seit 2015 zudem Theorie und Gehörbildungskurse, seit 2017 zusätzlich Dirigierunterricht bei Michael Reif und Kompositionsunterricht bei Thomas Taxus Beck. Im Rahmen des Beethovenjahres 2020 baute er ein Projektorchester auf, das beim Oberstufenprojekt des Humboldt-Gymnasiums unter seiner Leitung konzertierte. Im März 2020 reiste Mats mit Studio Musikfabrik nach Bangkok um dort mit dem Princess Galyani Vadhana Institute of Music Youth Orchestra ein Festkonzert unter der Leitung von Peter Veale (u.a. 7. Symphonie von Beethoven) in Kooperation mit dem Goethe-Institut Thailand zu spielen. Seit zwei Jahren setzt sich Mats intensiver mit Komposition auseinander und erhielt 2021 einen Bundespreis beim Wettbewerb „Jugend komponiert“.

About Amusement and Melancholy

Tagtäglich werden wir mit Fluten an Informationen, Geschichten und Bildern konfrontiert. Vielen wohnt eine manchmal ungewollte Komik inne. Andere verwandeln wir ins Unterhaltsame, um sie zu ertragen. Oft verrutscht das Lustige ins Absurde und die Tragik der Dinge, über die wir lachen und uns amüsieren, kommt zum Vorschein.

Mit meiner Komposition will ich diesen Zustand quasi von außen betrachten. Sie beschreibt das Gefühl des Zerrissenseins, das sich zwischen den Polen der Komik und der sich gleichzeitig einstellenden Melancholie auftut. 

 

Annabelle Vinçon wurde 1997 in Hagen (Westfalen) geboren und hat im Alter von 5 Jahren mit dem Violinunterricht begonnen. Es folgten Unterricht in Klavier, Orgel und auch Gesang im Rahmen der Ausbildung zur C-Kirchenmusikerin. Sie ist als nebenberufliche Organistin und Chorleiterin tätig. Erfahrungen mit Ensembles konnte sie in zahlreichen Chören und Orchestern, u. a. im Saarländischen Landesjugendsymphonieorchester und einer Jazzcombo, sammeln. Für ihre Kompositionen erhielt sie 2017, 2019 und 2020 Preise beim Bundeswettbewerb „Jugend komponiert“ und 2018 eine Einladung zur Kompositionswerkstatt Opus One der Berliner Philharmoniker mit Uraufführung im Kammermusiksaal der Philharmonie. Nach einem FSJ im Bereich Orchester am Saarländischen Staatstheater begann sie ein Studium für das Lehramt an Grundschulen. Seit dem Wintersemester 2020/21 studiert sie Komposition an der Hochschule für Musik Karlsruhe.

 nichts bleibt lange hängen

Manchmal bewegt sich Musik in der eigenen Wahrnehmung „zu schnell“. Es kommen ständig neue Elemente hinzu, die nicht an alte anknüpfen. Nichts bleibt lange hängen. Und wieviel bleibt in einer Paraphrase von der ursprünglichen Phrase hänge? Das Stück möchte ohne Bezugnahme auf anderes wie ein Schattenspiel sein. Aber es nimmt auch bereits vorhandene Melodien oder Teile.


Sponsoren